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Mein
‚Schlüssel-Erlebnis’
oder:
Die
Ersten werden die Letzen sein ...
Moderne
Handtaschen - aber auch die älteren Modelle - führen bekanntlich
ein eigenes Innenleben. So auch die meine, die ich mir extra passend
zum Mantel gekauft hatte - schließlich will man ja bei solch
einem wichtigen Ereignis gut gekleidet sein. Das vorab. Und da
Ekkehard in seinem Protokoll schon alles so wunderbar beschrieben
hat, dass man eigentlich nichts mehr hinzufügen, geschweige denn
besser machen kann, denke ich, dass solch eine kleine Geschichte am Rande ja auch
nicht schaden kann.
Nachdem
der Abend in der Pix sich dem Ende zu neigte und ich nicht mehr ganz
bei der Sache war, weil ich schon an die anstehende Horror-Rückfahrt
nach München dachte, beschloss ich kurzerhand, mich auf ‚französisch’
zu verabschieden und mich heimlich aus dem Staub zu machen. Also:
Ein Taxi musste her, um uns (auch Pelle war bereits in
Aufbruchsstimmung) von der Pix in die Krone zu befördern. Ein solches Beförderungsmittel
für nicht ganz Nüchterne war schnell an der Rezeption bestellt,
und ab ging’s, nachdem wir dann doch noch mit großem Hallo Auf
Wiedersehen gesagt hatten.
Eine
schöne Fahrt war das, gewürzt von den netten Komplimenten des
Taxifahrers, der uns aber auch in Sekundenschnelle seine
Lebensphilosophie dargelegt hatte. Pelle löhnte EURO 7,50 (in München
hätte es das Doppelte gekostet), und schon waren wir am
Hintereingang der ‚Krone’, in der bereits tiefe Nachtruhe
eingekehrt war.
Pelles
Handtasche sei gepriesen, gab sie doch sofort den Schlüssel für
Eingangstür und Zimmer frei, während mein ‚Hip-Modell’ (O-Ton
Pelle) erst einmal durchwühlt werden musste. Im ersten Stock
angelangt, wo Pelle und ich gegenüberliegende Zimmer bewohnten,
wurde die Wühlerei fortgesetzt, begleitet von Pelles kernigen
Kommentaren und gemeinsamem Gelächter, denn schließlich hatten wir
ja in der Pix nicht nur Wasser getrunken. Pelle riet, alles erst
einmal auf der Treppe auszuleeren .... nichts! Im Augenwinkel
erkannte ich, dass ein Rheno-Germane in Mütze und Band kopfschüttelnd
an uns vorbeizog, und auch Dieter und Verena - soweit ich mich da
richtig erinnere - wünschten uns im Vorbeigehen weiterhin viel Spaß
und eine Gute Nacht. Uns war jedoch inzwischen klar geworden, dass
es zumindest für mich unter den gegebenen Umständen keine allzu gute Nacht werden
würde. Pelle hatte nun die geniale Idee, im Hof auf Siegerts zu warten, die
mich freundlicherweise am Nachmittag auf ihrem Rücksitz mit in die
Pix genommen hatten. Nur dort konnte sich das corpus delicti
versteckt haben! (Wie ich später erfuhr, durchsuchte Herr Siegert
liebenswerter Weise selbst jeden Spalt seines Wagens, aber auch hier war nichts
zu finden.) Da mir die ganze Sache inzwischen auf den Magen
geschlagen war, ‚verschwand’ ich während dessen erst einmal.
Die Stille des aufgesuchten Ortes inspirierte mich, die Pix
anzurufen (gelobt seien alle Handys!) und zu fragen, ob dort
vielleicht ein Schlüssel
gefunden sei. Und siehe da: Er lag an der Rezeption, von wo aus ich
das Taxi gerufen und wo ich auch meine Rechnung beglichen hatte. Ich kündigte sogleich unser Kommen an und bat
den jungen Mann am anderen Ende der Leitung, doch bitte unbedingt auf uns zu
warten.
Aber
wie nun in die Pix kommen? Weder Pelle noch ich waren in der Lage
(warum wohl?), Auto zu fahren. Doch dann hatte Gott sein Einsehen und
schickte uns zwei rettende Engel in Gestalt von Ekkehard und Peter,
die
jetzt auch mit dem Wagen nach Hause kamen. Ekkehard war sofort
bereit, die Reise noch einmal anzutreten und unter Lachen fuhr unser
Viergespann noch einmal durch ‚Clausthal bei Nacht’ und den
wunderschönen Harzer Wald in die Pix.
Ich
werde Ekkehard für seine unendliche Geduld und Hilfe auf ewig dankbar sein und
versprach ihm, sollte er einmal selbst in eine ähnliche Schieflage
geraten, mich nach Anruf sofort nach Hamburg zu begeben und ihm nun
meinerseits zu
helfen. In spätestens 10 Stunden wäre ich da.
Und die Moral von der
Geschicht? Nicht die Letzten werden die Ersten sein, sondern
umgekehrt. Und als diese Ersten bzw. nun Letzten fielen wir dann
endlich todmüde ins Bett - natürlich nicht, ohne die noch
verbliebenen beiden Piccolos in meiner nun geöffneten Bleibe zu leeren. Mein letzter Gedanke war, nächstes Mal
eine etwas übersichtlicher eingeteilte Handtasche mit
Schlüsselfach zu kaufen und auf
den modernen Schnickschnack zu verzichten.
Und wie Ihr seht, bin ich auch am folgenden Tag wieder heile nach
Hause gekommen.
München,
den16. Juli 2008
Uta
Müller
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