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Goldenes
Abitur 2008 in
Clausthal-Zellerfeld
Donnerstag,
26.06.2008
Das
SOK (Selbsternanntes Organisations-Komitee) hatte für18.00 Uhr zum
Klönen ins Restaurant 'Glück Auf' geladen. Ortskundige hatten
es einfach; aber auch die anderen hatten wenig Probleme, die
Tagungsstätte zu finden, denn so gegen 6 p.m. bildete sich eine immer
größer werdende Ansammlung von Grau- und Weißköpfen, durchsetzt
mit wenigen blonden oder brünetten Haarschöpfen. Die schon vor 2
Jahren Dabei-Gewesenen hatten ein freudiges Wiedersehen, ansonsten
ergab sich ein “du bist doch....” oder “und du bist ...?”.
Es war alles ganz einfach, und noch vor dem Lokal begannen die
ersten Erinnerungsgespräche und der Austausch über berufliche und
familiäre Entwicklungen. Es war schon erstaunlich, dass sich nach
immerhin 50 Jahren keinerlei Entfremdung oder gar Distanz entwickelt
hatte.
Eine
besondere Freude war, dass unser m-Klassenlehrer Oberstudiendirektor
a.D. Kurt Siegert und auch seine Gattin mit von der Partie war
und auch an allen
anderen Veranstaltungen teilnahm. Bei Speis und Trank ging das fröhliche
Gerede weiter und wurde nur auf angenehme Weise unterbrochen durch
Uta Müllers hervorragend aufbereitete Präsentation auf großer
Leinwand mit Klassenbildern aus den Anfängen der Schulzeit bis zum
Abi, Fotos von Klassenreisen, Lehren, Schülern und Schulgebäude.
Jürgen
Schneider überreichte jedem von uns sein Heft 'Ein Stück
Stacheldraht' mit Reden und Grußworten, die er in den Jahren vor
und nach der Wende gehalten hat. Ganz besondere Freude rief hervor
ein Zinnrelief unseres alten Schulgebäudes in der Erzstraße, das Jürgen
für alle gießen ließ.
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'EFFODIMUS
TERRA NON ABSQUE LABORE METALLA |
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EXCOLE
TU MENTES HOC OPUS HIC LABOR EST' |
In
bester Stimmung ging ein schöner Abend zu Ende. Dass einige sich
anschließend dann noch in Uwes 'Container' trafen, sei nur am Rande
vermerkt.
Freitag,
27.06.2008
Dieser
Haupttag war voll gespickt mit Programmpunkten. Es begann mit einem
Fototermin vor dem alten Schulgebäude an der Erzstraße. Zu unserem
Bedauern mussten wir feststellen, dass der schöne Haupteingang dank
diverser Umbauten verschwunden war. So nahmen wir auf der Treppe von
der Poststraße zum Schulhof Aufstellung. Das Wetter machte den
Fotografen einige Probleme, denn die Feuchtigkeit von oben (eben
typisch für den Harz) wurde nur sekundenweise von Sonnenstrahlen
unterbrochen.
In
Eilmärschen (die Erinnerung an Caesars 'bellum gallicum' sei
gepriesen) ging’s zur neuen RKS, wo uns Oberstudiendirektor
Bontjes herzlich begrüßte. Er zeigte uns mehrere Räume,
Sammlungen, Bibliothek und PC-Anlagen, besonders die Cafeteria und
erläuterte deren geplanten Umbau sowie den extra für eine
behinderte Schülerin eingebauten Fahrstuhl. Man sprach über
finanzielle Schwierigkeiten, aber auch über Unterstützung durch
den Schulförderverein und Sponsoren. Das positive Klima der Schule
und das meist sehr vertrauensvolle Verhältnis Lehrer-Schüler hat
sich von damals auf heute übertragen, wenn auch in veränderter
Form, denn Jugendliche ticken heute anders als wir zu unserer Zeit.
Leider hatte eine Kommission die Schule nicht so gut bewertet, wie
sie es eigentlich verdient hätte, aber die technische Ausstattung -
insbesondere mit modernen Kommunikationsmitteln - wurde nicht für
optimal befunden. Schwierigkeiten, das zu ändern, macht hier hauptsächlich
die bauliche Konzeption (auch billige nicht hoch qualitative
Wasserrohre machen zunehmend Probleme und verstärken den
Kostendruck). Die Einschätzung von Herrn Bontjes, es liege an der
damaligen 'notdürftigen' Planung und Realisierung, konnten wir
nicht teilen, denn das ist u.E. Sache der Architekten und Fachleute.
Wir hatten den Eindruck von diesem neuen Schulgebäude gewonnen,
dass die Räume sehr niedrig und vor allem viel zu dunkel für junge
Menschen sind. Das war im alten RKS-Schulhaus doch ein wenig anders
gewesen.
Um
12.00 Uhr wurden wir im Rathaus empfangen. Die Bergstadt und
Samtgemeindebürgermeister Walter Lampe ließen sich nicht lumpen:
Es gab Sekt und als Erinnerungsgeschenk einen kleinen Zinnbecher mit
Wappen von Land und Stadt sowie Bergmannsgezähe. Herr Lampe - ein
ehemaliger Deutscher Meister und Olympiateilnehmer im Skispringen -
berichtete von den finanziellen Problemen der Samtgemeinde, neuen
Gewerbeansiedlungen, von der Lösung des Problems
Pfauenteichsiedlung und besonders über die Zerrissenheit der Region
Harz in zwei Bundesländer, diverse Landkreise und sonstige
Interessengruppen. Das führt nicht unerheblich zu Schwierigkeiten einer erfolgreichen Vermarktungsstrategie. Nur ein verstärkter
Tourismus kann den Harz in eine bessere Zukunft geleiten. Erfreulich
war zu erfahren, dass das Oberharzer Wasserregal mit seinen vielen
Teichen, Gräben und Stollen nun endlich die Chance bekommt,
Weltkulturerbe zu werden. Begleitet wurde der Empfang mit einer sehr
guten Diashow von Clausthal-Zellerfeld und Umgebung.
Danach
ergab sich die Gelegenheit, den Neubau des marode gewordenen
Kirchturms der Marktkirche zu besichtigen. Aus Sparsamkeitsgründen
hatte man die neue Bleidacheindeckung halb so dünn wie früher
ausgeführt, was zu Leckagen und anschließender Verrottung des Gebälks
führte. Es wird sich wohl kaum noch einmal die Möglichkeit bieten,
eine solch geniale Balkenkonstruktion im Original zu erleben, denn
schon in Kürze wird die Holzverschalung wieder angebracht sein.
Am
späteren Nachmittag folgte die Mehrheit der Einladung zur
feierlichen Entlassung der RKS-Abiturienten 2008. Die
Veranstaltung wurde eröffnet und abgeschlossen vom glänzend
aufgelegten Schulchor. Es war erfreulich für uns festzustellen,
dass die von Toni Schauer so erfolgreich gelegte Tradition heute
noch fortgesetzt wird. Nach der Begrüßung durch Herrn Bontjes

hielt
unser Jürgen Schneider die Festrede.

Er
wies darin besonders auf die vielen Freiheiten hin, die in unserem
Land eine selbstverständliche Gegebenheit sind, die es aber zu schätzen
und für die Zukunft zu bewahren gilt. Danach überraschte ein Schülerpaar
mit einer grandiosen Darbietung als Vibraphon-Duo sowie mit einem Stück
für Xylophon und Buschtrommel. Der lang anhaltende Beifall war mehr
als verdient. Die dann folgende Verleihung der Abiturzeugnisse
gestaltete sich etwas anders zu als zu unserer Zeit. Es ging
wesentlich lockerer zu als früher, was sich nicht nur in der
Kleidung zeigte - neben Anzug mit oder ohne Krawatte trug man auch
Legeres wie beispielsweise Jeans -; auch sonst fehlte jegliche
steife Förmlichkeit. Es zeigte sich aber auch, wie sehr die
leitenden Lehrer der drei Mentorengruppen von ihren Schülern
geliebt wurden. Inwieweit die Schule gewachsen ist, wird schon in der
Zahl der diesjährigen der Abiturienten sichtbar: Es waren einundfünfzig.
Zu
unserer großen Überraschung wurden anschließend wir Alten
namentlich nach vorne aufgerufen und erhielten eine Urkunde zum
Goldenen Abitur. Mit so etwas hatte keiner von uns gerechnet. Und
danach folgten Reden, Reden, Reden: Vom Vertreter des Schulträgers,
vom Förderverein, vom Elternbeirat, von einem Abiturienten etc. Vor
dem Schlusschor wurden noch einige Abiturienten für ihr soziales
Engagement und ihre herausragende Leistungen ausgezeichnet, und das
immerhin u.a. von der Deutschen Mathematischen Gesellschaft und dem
Verband der Deutschen Chemiker. In fünfzig Jahren hat sich vieles
geändert auch im Schulbetrieb, aber es ist auch beglückend
festzustellen, dass vieles noch so ist wie früher. Vermisst hat der
eine oder andere eigentlich nur das Lied 'Heut’ noch sind wir
hier zu Haus'. Diese Tradition
aber hat ein Ende gefunden.
Höhepunkt
des Jubiläumstreffens
war der Festabend im Hotel 'Goldene Krone'.
Nicht nur Oberstudiendirektor a.D. Kurt Siegert, sondern auch
Studiendirektor a.D. Albrecht Gerlach und beider Gattinnen waren
unsere Ehrengäste. Auch Oberstudiendirektor Bontjes war unserer Einladung
gefolgt. Neben der geistigen Flexibilität zollten wir der körperlichen
Fitness und Beweglichkeit des 91-jährigen Herrn Gerlach höchsten
Respekt und Bewunderung.
Die
Küche des Hauses hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, und so waren
alle aufs Höchste zufrieden. Selbst der Suppe mit dem 'Häuptchen'
(wieso wurde eigentlich Korrektur gelesen?) wurde mehrfach
zugesprochen.
Uta
und Jürgen hielten launige Reden, die mit vielen spontanen Einschüben
gewürzt waren und so mit viel Beifall bedacht wurden.
Horst
Müller (Sandfloh) ließ anhand seiner eigenen Entwicklung
anklingen, warum wohl alle nach dem Abi den Harz verlassen hatten.
Größere Vielfalt und Chancen sind in anderen Regionen einfach
besser gegeben.
Der
Tisch mit unzähligen Fotos, Alben und Erinnerungsstücken aus der
Schulzeit fand reges Interesse.
Ein
besonderer Knüller war der Film von der gemeinsamen Klassenreise
der 10m/10s nach Hamburg, Cuxhaven und Bremen, den Referendar
Strohmeier seinerzeit gedreht hatte. Viele Erinnerungen wurden da
wieder wach, nicht nur Wilhelms Paternosterdesaster im Chilehaus.
Mit
einem kleinen Präsent dankte die Gesamtheit unter tosendem Beifall
Uta und Jürgen für die ungeheure Mühe und den unglaublichen
Zeitaufwand bei der Planung und Realisierung dieses so fantastischen
Treffens. Wir alle stehen da ewig in ihrer Schuld.
Zu
seiner großen Überraschung wurde kurz nach Mitternacht noch dem
Chronisten ein Geburtstagsständchen und eine antike Grubenlampe
dargebracht, wofür er sich an dieser Stelle nochmals herzlich
bedankt.
Nur
schwer konnte man sich trennen, denn die Gespräche vom Vorabend
fanden ihre Fortsetzung. Hätte nicht die Bedienung zum
Zapfenstreich geblasen, wäre es wohl noch unendlich weitergegangen.
Samstag,
28.06.2008
Um
9.30 Uhr bildeten sich auf dem Parkplatz der 'Krone'
Fahrgemeinschaften (wozu sollte man denn auch einen Bus ordern) zur
Fahrt nach Goslar. Erstes Ziel war die Kaiserpfalz, die unter den
preußischen Königen und Kaisern restauriert und deren großer Saal
mit heroisierenden Wandgemälden deutscher Kaiser und Könige
ausgestattet wurde.

Über den Wert solcher Bilder - in der ursprünglichen
Pfalz gab es so etwas nicht - lässt sich sicher streiten; die Führerin
aber nutzte die Erläuterung der Gemälde zu einem gelungenen
Streifzug durch die deutsche Geschichte. Die Ulrichskapelle in ihrer
Originalfassung mit der Grabstätte des Herzens von Heinrich III.
ist besonders eindrucksvoll und lädt zur Besinnung ein.

Durch die
Fenster von Saal und Gängen hat man einen grandiosen Blick auf die
alte Kaiser- und Reichsstadt mit ihren vielen Türmen und Toren.
Auf
zum nächsten Ziel: Weltkulturerbe Rammelsberg. Leider wurde das
Wetter wieder schlechter und der typische Harzer Nieselregen setzte
ein. Die Besichtigung von Waschkaue war der Anfang; mit gelben Helm
bewaffnet folgte eine Fahrt mit der noch gut funktionierenden
Grubenbahn - eng und niedrig -: für die meisten eine neue Erfahrung,
denn nur wenige hatten so etwas schon mal mitgemacht.

Vor Ort wurden
uns die verschiedenen Abbaumethoden im Erzbergbau demonstriert. Weil
es sich hier nicht um eine museale Ausstellung, sondern um
Originalschauplätze handelt, die noch bis in die fünfziger Jahre
in Betrieb waren, war die Führung besonders interessant.
Der
anschließende Mittagsimbiss sollte eigentlich in der 'Kaiserworth' - dem
ehemaligen Zunfthaus der Gewandschneider - stattfinden; aber wohl
wegen des bevorstehenden Schützenumzuges waren hier nicht genügend
Stühle unbesetzt. So nahmen wir nebenan im 'Historischen Café am
Markt' Platz und stärkten uns mit Kuchen, Eis, Strammem Max oder
Harzer Schmorwurst. In Sekundenschnelle wechselten Sonne und blauer
Himmel mit grauen Wolken und Regentropfen. Der guten Stimmung in
frischer Luft tat das Wetter jedoch keinerlei Abbruch.
Am
Nachmittag sah sich ein Teil der Truppe noch in Goslar um und genoss
den Schützenumzug; andere gingen in Clausthal-Zellerfeld spazieren
und wunderten sich über die zahllosen Neubauten, die in den
vergangenen fünfzig Jahren entstanden sind.
Der
Ausklang zum Abend in der Pix weckte Erinnerungen an viele hier
gefeierte Klassenfeste und jugendliche Rendez-Vous. Das Essen war
wieder ausgezeichnet. Das Wetter wurde gut, der Regen hatte aufgehört,
und es entwickelte sich ein für den Harz seltener milder
Sommerabend. Daher nutzten wir die Gelegenheit und setzten uns nach
draußen. Bei Bier und Wein riss der Gesprächsfaden niemals ab;
alle waren sich einig, dass es ein großartiges und unvergessliches
Treffen war und geradezu nach Wiederholung - wenn auch in
bescheidenerem Rahmen - schrie. Ein erneuter Dank galt dem SOK. Mit
einem beglückten aber auch ein wenig wehmütigem Herzen (weil es
schon zu Ende war) ging man auseinander in der Hoffnung auf ein
recht baldiges Wiedersehen.
Hamburg,
den14. Juli 2008
Ekkehard
Gisevius
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