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Gedanken zum Lehrerdasein
Nach beendeter langer Lehrtätigkeit an Universität, in der
Erwachsenenbildung und diversen Schulen hier in England denke ich oft an die eigene
Schulzeit und frage mich, was meine Schüler von mir wohl in Erinnerung behalten.
Aus den frühen Jahren an der RKS bleiben
besonders drei Lehrer/-innen in meiner Erinnerung:
Fräulein Änne
Kreutzer:

Sie war unsere erste Klassenlehrerin und führte uns mit Geschick
in die Grundlagen meiner hiesigen Sprache, Englisch, ein. Sie war - wie alle
England-Liebhaberinnen - fair und ladylike.
Wir spielten "buzz" beim Zahlenüben. Wir lernten
"mouse - mice" und "go - went - gone" und "through - though
- tough", Beispiele, die ich in meinem eigenen Deutsch-Unterricht hier immer wieder
anführte als Gegenargument zu den Komplikationen der deutschen Sprache.
Bei Fräulein Kreutzer lernte ich, wie man Sprachen lernt und
dass es Spaß machen kann. Des Lateins wegen bin ich dann im naturwissenschaftlichen Zweig
gelandet.
Fräulein Ella
Waldhausen:

1955 trat Fräulein Waldhausen in den Ruhestand. Ich nahm
Abschied von ihr mit gemischten Gefühlen. Sie hatte uns in Biologie und auch Mathematik
unterrichtet, mit Strenge und Gerechtigkeit. Etwas Angst hatte ich immer vor ihr, aber
nach nun immerhin fast 30 Jahren eigener Lehrtätigkeit sehe ich das nicht negativ.
In Mathematik habe ich u.a. den Begriff "mathematisch
unterbelichtet" von ihr gelernt, zu meinem Glück nicht auf mich angewandt. Zumindest
musste ich meine Eltern, beide sehr gute Fotografen, um eine Erklärung des
"unterbelichtet" bitten (in Physik waren wir noch nicht zur Optik vorgedrungen).
Das habe ich - auch bis in die Zeiten der Digitalkameras - nicht vergessen.
Fräulein Waldhausen ist mir noch immer ganz klar vor Augen, mit
ihrer oft gerunzelten Stirn, dem strengen Ausdruck und dem sehr seltenen Lächeln, wenn
sie einen unserer Streiche eben doch mehr komisch als ungezogen fand. Die
"Angst" vor ihr war wohl doch mehr Respekt vor der Autorität, die sie umgab.
Herr Dr.
Jander:

"Papa" Jander habe ich geliebt. Als wir mit Latein anfingen,
hatte ich einen Sehnenriss im Fuß und wurde ca 6 Wochen lang von netten Schulkameraden
auf einem alten Holz-Handwagen von Buntenbock nach Clausthal befördert (man stelle sich
dieses Transportmittel für heutige Kinder - und Eltern - vor!).
Vom ersten Tag an behandelte mich Papa Jander wegen dieser Verletzung mit
Nachsicht und Fürsorge. Wir lernten "amo, amas, amat "
und wurden mit
Bedacht in die lateinische Grammatik eingeführt.
Nie wieder hat mir Latein so viel Spaß gemacht wie bei ihm. Und als ich
viele Jahre später beim mündlichen Abitur wegen eines wirklich dummen Fehlers
"rausflog", dachte ich weniger an die Endzensur als an meinen geliebten Papa
Jander.
Diesen und vielen anderen meiner Lehrer und Lehrerinnen ein Dankeschön!
Johanna
(Hannele) Rogers, seit über 40 Jahren in England
22. Juni 2006
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